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Erstes „Faires Frühstück“ in Schriesheim

Am vergangenen Wochenende lud die Steuerungsgruppe „Fairtradetown Schriesheim“ zum ersten öffentlichen „Fairen Frühstück“ ins Begegnungszentrum „mittendrin“ ein. Viele Marktbesucher nutzten die Gelegenheit zum Frühstück für fünf EURO.

Was steckt hinter der Idee eines „Fairen Frühstücks“?

Schriesheim ist seit dem vergangenen Jahr eine so genannte „Fairtradetown“. Nach der Erfüllung und Überprüfung bestimmter Kriterien durch Transfair e.V. darf sich unsere Stadt das Siegel einer „Fairtradestadt“ umhängen. Schriesheim ist eine Stadt, die besonderen Wert auf den Verkauf fair gehandelter Produkte und damit auf die Erfüllung sozialer Mindeststandards in Entwicklungs- und Schwellenländern legt. Die koordinierende Steuerungsgruppe möchte durch verschiedene Aktionen immer wieder auf das Anliegen aufmerksam machen, dass es gerade im Zeichen der Globalisierung darauf ankommt, im benachteiligten Süden unserer Erde für faire Produktions- und Arbeitsbedingungen zu sorgen.

Was möchten wir mit dieser Aktion eines Frühstücks mit ausschließlich fair gehandelten Produkten erreichen?

Mit unserer Aktion möchten wir zeigen, dass fair gehandelte Waren nicht teurer sein müssen als konventionelle Produkte. Außerdem wollen wir das Bewusstsein für die Wichtigkeit fairer Handelsbedingungen schärfen. Und deshalb wollten wir ganz bewusst Schülerinnen und Schüler mit eingebunden. Denn Schulen sind Meinungsträger und ihre Schülerinnen und Schüler vielfältige Multiplikatoren bei ihren Eltern, Geschwistern und anderen jungen Leuten. Dieses Jahr war das Kurpfalzgymnasium Schriesheim unser Kooperationspartner, das sich sofort dazu bereit erklärt, den fairen Handel innerhalb ihrer Projekttage vor den Sommerferien zu thematisieren. In dem Zusammenhang vielen Dank an den Schulleiter Herrn Jürgen Sollors und die betreuenden Lehrerinnen und Lehrer. Und natürlich vielen Dank an euch Schülerinnen und Schüler, die sich in drei Tagen Projektarbeit dem Thema „Fairer Handel“ gewidmet und die Ergebnisse ihres Projekts in Form von Plakaten visualisiert haben. Das Projekt und die dabei entstandenen Plakate zum Thema „Fairer Handel“ wurden von einem Schüler der Projektgruppe vorgestellt und im Begegnungszentrum aufgehängt. Dort können sie auch noch in den nächsten Tagen betrachtet werden.

Vielen Dank an die Evangelische Kirchengemeinde in Schriesheim für die Zurverfügungstellung des Begegnungszentrums mittendrin, dessen Organisationsteam um Frau Strohhäcker und Herrn Frieder Menges vom Weltladen für die Mithilfe beim Frühstück, sowie dem Kurpfalzgymnasium für die Mitarbeit an unserer Initiative. Vielen Dank auch für die vielen Sachspenden von Schriesheimer Einzelhändlern und Marktleuten. Das erste Faire Frühstück war ein voller Erfolg und wird sicherlich auch wiederholt werden. Für die Steuerungsgruppe Fairtradetown Schriesheim Wolfgang Fremgen



Faires Früstück:

Ankündigung für das faire Frühstück

Mannheimer Morgen vom 14.07.2016

Den Tag mit richtig gutem Gewissen beginnen

Jugendliche beschäftigen sich in ihren Projekttagen mit fairem Handel und entwickeln daraus die Idee für ein besonderes Frühstück

Im vergangenen Jahr wurde Schriesheim mit der Auszeichnung "Fair Trade Town" (Stadt für fairen Handel) bedacht. Nun möchten die Initiatoren diesen Anspruch auch im Alltagsleben umsetzen. Jüngstes Beispiel: die Initiative für ein "Fair-Trade-Frühstück"

2014 ergriffen engagierte Schriesheimer die Initiative, ihre Mitbürger für Produkte zu sensibilisieren, die sozial und ökologisch nachhaltig produziert und fair gehandelt werden. An dieser Initiative beteiligten und beteiligen sich nicht nur die Einzelhändler und Gastronomen; auch Kirchengemeinden, Vereine, Schulen und Kindergärten wurden bewusst mit einbezogen.

Präsentation im mittendrinn

So beschäftigten sich mit diesem Thema auch die Schüler der Klassen acht und neun des Kurpfalz-Gymnasiums Schriesheim im Rahmen ihrer Projekttage. Sie sammelten Informationen und entwarfen eine Marketing-Strategie. Ihre Ergebnisse wollen sie bei einem gemütlichen Frühstück im Begegnungszentrum "mittendrin" der Evangelischen Kirchengemeinde präsentieren.

Das "mittendrin"-Team bietet ein reichhaltiges Büfett, auf dem nur Produkte aus fairem Handel zu finden sind, wie Kaffee, Tee oder auch Schokolade, Orangensaft, Brot und Brötchen aus einer örtlichen Bäckerei sowie Müsli, Marmelade und andere Brotaufstriche - und das für nur fünf Euro. "Mit diesem Frühstück wollen wir die wichtige Bedeutung eines fairen Handelns noch weiter ins Bewusstsein der Bürger rücken", formulierte Wolfgang Fremgen von der Steuerungsgrupppe "Fair Trade Town". Dabei sei es wichtig, gerade junge Menschen und dabei wiederum Schüler einzubeziehen: "Insofern freue ich mich, dass dieser Vorstoß beim Gymnasium auf offene Ohren gestoßen ist und die Schule dieses Thema für die drei Tage gehenden Projekttage gewählt hat."

An dieser Schule Tradition

Mit diesem Thema begeben sich die Schüler des Kurpfalz-Gymnasiums keineswegs auf Neuland, erläuterte Religionslehrerin Hildegard Meißmann, die gemeinsam mit ihren Kolleginnen Jasmin Tran und Melanie Lehmann das Projekt begleitete. "Faires Handeln steht in den Klassenstufen fünf bis neun, aber auch in der Oberstufe auf dem Stundenplan in den Fachbereichen Religion und Gemeinschaftskunde", berichtet sie: "Alle Schüler stehen gut in dem Thema."

Der erste Tag ist der Theorie gewidmet, am zweiten Tag geht es in den Heidelberger Eine-Welt-Laden, in dem nur faire Produkte angeboten werden, und am dritten und letzten Tag werden die Ergebnisse den Bürgern beim Frühstück präsentiert.
Und was würde sich als Location besser anbieten als das Café "Mittendrin" im evangelischen Gemeindehaus, das ja bereits seit langem auch eine große Anzahl fairer Produkte zum Verkauf anbietet?
Vielleicht wird aus diesem ersten Frühstück hier ja irgendwann sogar eine richtige Tradition? greg



Ankündigung:

Die Steuerungsgruppe Fairtrade-Stadt Schriesheim lädt zum Fairen Frühstück am Samstag, dem 23. Juli, ins evangelische Begegnungszentrum "mittendrin" ein. Ab 10 Uhr können Sie sich dort u. a. Brotaufstriche, Müslis, Kaffee und Tee aus unserem Weltladen und von anderen Anbietern schmecken lassen, und das zu einem fairen Preis von 5 €.

Fairer Handel am Beispiel einer Bananenkooperative

Schriesheim ist seit Kurzem „Fairtradetown“ und reiht sich damit ein in mehrere Gemeinden in der Region wie Weinheim, Viernheim, Heidelberg oder Mannheim, die alle das Qualitätssiegel einer Fairtradestadt nutzen dürfen. Welche ganz konkreten Vorteile dies für die Produzenten von Fairtradeprodukten in Entwicklungsländern bringt, soll an dem Beispiel der kolumbianischen Bananenbauern Rosalba (42) und Luis (40) Ruiz-Pena aufgezeigt werden.
Die Bauernkooperative Coobafrio
Rosalba und Luis sind beteiligt an einer kleinen Bauernkooperative in der Region Magdalena in Norden von Kolumbien. Die Abnehmer der Früchte bezahlen der Kooperative einen Mindestpreis und eine Fairtradeprämie von einem Dollar pro Kiste Bananen. Wie die Prämie bezahlt wird, beschließen die Bauern selbst innerhalb ihrer Kooperative. Rosalba und Luis Ruiz-Pena betreiben den Familienbetrieb Esperanza Ruiz in Magdalena und sind ein Mitglied von der Fairtrade-zertifizierten Kooperative Coobafrio. Die Kooperative hat ungefähr fünfzig Mitglieder, darunter 10 Frauen. Auf anderthalb Hektar Grund produzieren Rosalba und Luis zusammen mit ihren Geschwistern und Neffen ungefähr 1.600 Kilo Bananen pro Woche. Insgesamt wohnen sie mit fünfzehn Familienmitgliedern auf der Finca. Dieses Haus war noch vor kurzem in sehr schlechtem Zustand. Rosalba: „Dank der Prämie von Fairtrade haben wir ein komplett neues Steinhaus bauen können.“
Fairtrade achtet nicht nur auf Soziales, sondern auch auf die Umwelt
Fairtrade hat nicht nur den sozialen Aspekt im Blick, sondern auch die Umwelt. Luis: „Das Klima hier ist bestenfalls eine Herausforderung. Das Wetter ist unvorhersehbar, wodurch wir mit Hochwasser kämpfen bei zu viel Regen und dann wieder in Zeiten von Trockenheit mit Wasserknappheit auskommen müssen. Die strengen Umweltrichtlinien von Fairtrade haben unter anderem zu einem effizienteren Gebrauch von Wasser und einem Programm zum Abfallrecycling geführt.

Kleiner Aufwand, große Resultate
Die Bananenkooperative Coobafrio benutzt die Fairtradeprämie vornehmlich für den Ankauf von Dünger und den Ausbau des Ausbildungsprogramms zur Verbesserung der technischen Kenntnisse der Bauern. Dies hat sowohl die Qualität der Bananen verbessert als auch den Ertrag verdoppelt, nämlich von 15 Dutzend pro Hektar auf beinahe 35 Dutzend. Seit der Fairtradezertifizierung ist das Einkommen der Mitglieder der Kooperative um durchschnittlich 35% gestiegen. Die Bauern konnten auch einen Antrag auf Zuschüsse für den Hausbau bzw. für Renovierungsprojekte stellen. Hiervon hat die Familie Ruiz-Pena Gebrauch gemacht.
Wolfgang Fremgen
(Quelle: Boodschappen Nr. 1/2016)

Rhein-Neckar-Zeitung vom 01.12.2015

Schriesheim ist jetzt "Fairtrade Town"

"TransFair"-Ehrenbotschafter Manfred Holz überreichte der Stadt die Urkunde - Stadt erfüllte Anforderungen "mit Bravour"

Für die Stadt sei es ein Imagegewinn: Darin waren sich alle einig, die bei dem kleinen Festakt im Alten Rathaus sprachen. Dieser Gewinn bestand im Siegel "Fairtrade Town", zu Deutsch "Fairhandelsstadt", das Manfred Holz, Ehrenbotschafter der Initiative "TransFair", an Bürgermeister Hansjörg Höfer übergab. Bevor darauf mit Sekt angestoßen wurde, spielte das Saxofon-Ensemble der Musikschule unter Leitung von Olaf Weithäuser noch eine dreiteilige Suite von Johann Christian Bach, und Dankesreden wurden gehalten.

Deutschland ist der dynamischste Markt
Höfer dankte der Steuerungsgruppe, - die Einsetzung einer solchen gehörte zu den Voraussetzungen für das Zertifikat - den Schriesheimer Gewerbetreibenden und nicht zuletzt der Organisation "TransFair", die die Menschen über fairen Handel informiere. Damit könne den Erzeugern eine Zukunft in ihren Heimatländern ermöglicht werden. Man müsse sich schon überlegen, ob es noch zeitgemäß sei, dass ein T-Shirt schon für wenige Cent zu haben sei.

Wolfgang Fremgen, neben den Stadträten Fadime Tuncer und Marco Ginal, BDS-Chef Rolf W. Edelmann und Wirtschaftsförderer Torsten Filsinger Mitglied der Steuerungsgruppe, dankte seinen Mitstreitern und ließ die gemeinsame Arbeit, die vor zwei Jahren begann und von Sitzungen, Anschreiben und anschließendem "Klinkenputzen" geprägt war, Revue passieren. Schriesheim, so der Grünen-Stadtrat, sei nunmehr die 383. deutsche Stadt und die 86. in Baden-Württemberg, die das Siegel tragen dürfe. Er dankte auch den Unterstützern und betonte: "Alle haben Vorteile, wenn sie fairen Handel betreiben und fördern." Holz schließlich dankte allen in der "sympathischen und kinderfreundlichen Stadt", die sich für das Projekt einsetzten und damit einen Beitrag für Solidarität und gegen Armut leisteten.

Er lobte die Kirchen, Schulen, das Rathaus und die Geschäfte, die fair gehandelte Produkte konsumierten oder in ihr Sortiment aufnahmen: "Die Stadt hat mit Bravour alle Anforderungen geschafft." Alle zwei Jahre, so kündigte er an, würden die Kriterien für die Zertifizierung erneut überprüft. Holz betonte deren Gewicht: 95 Prozent der Käufer hielten das Siegel "Fairtrade" für vertrauenswürdig. Allerdings betrage der Anteil etwa von fair gehandeltem Kaffee nur drei Prozent in Deutschland. Mit Wachstumsraten von 26 Prozent sei Deutschland aber weltweit der dynamischste Markt: "Soziale und ökologische Aspekte beeinflussen immer mehr unsere Kaufentscheidungen."

Die "Wachstumstreiber" seien Kaffee, Bananen und Rosen, es gebe aber auch Eis, Bälle, Tee, Süßigkeiten, Wolle, Fernreisen und sogar fair gehandelte Eheringe. Und, gerade angesichts der aktuellen Flüchtlingskatastrophe, könne fairer Handel dazu beitragen, Fluchtursachen zu bekämpfen, bevor sie entstehen.

Mannheimer Morgen vom 01.12.2015

Unentwegter Einsatz bringt den begehrten Titel

Die Stadt zählt jetzt zu den 383 Fair-Trade-Gemeinden in Deutschland / Übergabe der Urkunde



Schriesheim gehört seit Samstag zu den 86 Gemeinden in Baden-Württemberg und zu den 383 in ganz Deutschland, die vom Ehrenbotschafter Manfred Holz die Urkunde erhalten haben und sich "Fair-Trade-Town" nennen dürfen. Nicht nur die teilnehmenden Einzelhändler, Vertreter der christlichen Kirchen, Teilnehmer aus der Steuerungsgruppe, der BdS-Vorsitzende Rolf Edelmann und Mitarbeiter aus der Stadtverwaltung, sondern auch viele Bürger waren ins Foyer des alten Rathauses gekommen, um diesem historischen Akt beizuwohnen.

Die Aufgabe der Industriestaaten bestehe auch darin, den Menschen eine menschenwürdige Zukunft zu geben, sagte Bürgermeister Höfer in seiner Laudatio. Er sprach die Kleiderindustrie an, die für wenig Geld in der "Dritten Welt" produzieren lässt. Statt mit den eigenen Produkten zu handeln, würden in diesen Ländern die abgetragenen Kleider aus dem Westen verkauft und damit der dortige Markt zerstört. Oft sei der einzelne Konsument gefragt, so Höfer, und das wolle man auch als Stadt an die Menschen weitergeben.

Dank an Mitstreiter
Zu den meist gekauften Produkten gehören Kaffee und Tee, und diese fair gehandelten Produkte wurden schon von den beiden christlichen Gemeinden in ihrem Weltladen angeboten sowie in der Verwaltung konsumiert. Höfer dankte allen Mitstreitern für ihre Aufklärungsarbeit und dafür, dass sie viele Einzelhändler mit ins Boot nehmen konnten. Dieser Titel sei nur ihrem unentwegtem Einsatz zu verdanken.

2013 habe man die Idee aufgenommen und 2014 mit fünf Personen eine lokale Steuerungsgruppe gebildet, ging Wolfgang Fremgen auf die Anfänge ein. Ehrenbotschafter Manfred Holz aus Köln nannte Schriesheim eine familienfreundliche Stadt mit hoher Lebensqualität. Im Prinzip wären alle gegen ausbeuterische Arbeit auf den Plantagen und auf den Feldern, doch alle seien auch Schnäppchenjäger, stieg er in das Thema ein: "Wir legen doch die Grundlagen zur Zerstörung unseres Planeten und der Hoffnungslosigkeit der dort lebenden Menschen und sehen dem Elend zu".

Während eine Milliarde Menschen mit Übergewicht kämpfe, hungere eine andere Milliarde. "Jetzt ist die Zeit reif für ein grundlegendes Umdenken", forderte Holz. "Wir brauchen keine Globalisierung der Gleichgültigkeit", zitierte er Papst Franziskus. Als eine der größten Industrienationen stehe man in der Pflicht, einen Beitrag gegen Armut zu leisten. Er lobte Kraft und Kreativität, mit der die Steuerungsgruppe in Schriesheim ans Werk gegangen sei. Sie habe die Stadt, die Kirchen, Kindergärten und Schulen wie auch die Vereine und den Einzelhandel für diese Idee begeistern können.

"Die Anforderung für den Titel ist hoch, aber durchaus machbar", bemerkte Holz. Er sei aber keine Auszeichnung auf ewig, sondern müsse alle zwei Jahre wieder neu erarbeitet werden. Er dankte allen Beteiligten und überreichte Bürgermeister Höfer die Urkunde. Holz forderte alle dazu auf, künftig nur noch "Bio, fair, regional und sessional" einzukaufen. Der kleine Festakt wurde musikalisch von der Saxofongruppe unter der Leitung von Olaf Weithäuser umrahmt.

Mannheimer Morgen vom 21.11.2015

Schon die Pressekonferenz zu diesem Anlass ist Zeichen dafür, worum es geht. Wer im Büro von Bürgermeister Hansjörg Höfer eine Tasse Kaffee zu sich nimmt, der genießt ein Produkt aus fairem Handel. Denn auch die Stadtverwaltung beteiligt sich an der Initiative "Fairtrade-Town Schriesheim".

Wie gestern bereits kurz gemeldet, hat der Verein "TransFair" e. V. mit Sitz in Köln der Weinstadt das Zertifikat "Fairtrade-Town" verliehen - als Anerkennung dafür, dass hier zahlreiche Produkte erhältlich sind, die mit den Erzeugern zu fairen Bedingungen gehandelt wurden.

Diese Erfolgsgeschichte beginnt im Jahre 2013. Zu den Initiatoren gehören die Stadträte Wolfgang Fremgen und Fadime Tuncer (beide Grüne Liste) sowie Marco Ginal (SPD). Trotz dieser Zusammensetzung "verstehen wir uns als absolut überparteilich", versichert Fremgen.

Kirchengemeinden machen mit Und so kommen schnell auch die Kirchengemeinden und die Stadt mit ins Boot; ihr Wirtschaftsförderer Torsten Filsinger ist ebenfalls Mitglied der Arbeitsgruppe, der Gemeinderat beschließt im Oktober 2014, die Aktion zu unterstützen.

Und dann beginnt die Suche nach Teilnehmern. Dabei müssen die Aktiven jedoch nicht bei Null beginnen. "Die Kirchengemeinden etwa vertreiben seit über 30 Jahren schon Produkte aus fairem Handel", erinnert Fadime Tuncer. Doch das reicht natürlich nicht. "Es begann das Klinkenputzen", so Fremgen.

Mit 13 Teilnehmern ist nun ein Grundstock erreicht, der zur Erteilung des Zertifikates befähigt. Ganz wichtig ist Fremgen aber die Botschaft: "Die Initiative ist nach wie vor für weitere Teilnehmer offen." Dass dies so kommt - davon ist man überzeugt: "Das wird ein Schneeball-Effekt", heißt es bei der Präsentation.

Mit dem jetzigen Erfolg ist die Arbeit für die Aktiven daher nicht beendet: "Das ist lediglich ein Etappenziel", betont Fremgen. Und so ist die Initiative während des Mathaisemarktes im März 2016 im Gewerbezelt am Stand der Stadt präsent.

Unterstützt wird sie also auch vom Bund der Selbstständigen (BdS), dessen Ortsvorsitzender Rolf Edelmann von Anfang an Mitglied der Arbeitsgruppe ist. "Früher haben natürlich auch in unserer Organisation einige gedacht: So etwas brauchen wir nicht", bekennt Edelmann: "Heute ist klar: Es ist eine Initiative, die nicht nur gesellschaftspolitisch notwendig ist, sondern sich auch für den einzelnen Anbieter rechnet."

Das Projekt hat auch eine eigene Homepage, deren Erstellung selbst ein Zeichen für Engagement ist. Erarbeitet ist sie nämlich von Jugendlichen einer berufsbildenden Schule in Ludwigshafen, an der Marco Ginal als Lehrer tätig ist. Im Informatik-Unterricht erstellen die Schüler vier Varianten, aus denen schließlich die beste ausgewählt wird.

Freigeschaltet wird die Website unter dem Namen "fairtradetown. schriesheim.de" nach der offiziellen Übergabe der Urkunde im Historischen Rathaus am 28. November.

Rhein-Neckar-Zeitung vom 27.03.2015

Weinheim, Viernheim, Mannheim und Heidelberg sind es schon. Schriesheim soll es bis zum Sommer werden. Zumindest, wenn es nach der Steuerungsgruppe geht, die sich Ende Februar gebildet hat. Sie hat sich vorgenommen, Schriesheim zur "Fairtrade-Town" zu machen. Zu einer Stadt, die zeigt, dass ihr Fairer Handel als Baustein zur Armutsbekämpfung in der Welt wichtig ist.

Vergeben wird das Zertifikat "Fairtrade-Town" vom Verein zur Förderung des Fairen Handels mit der Dritten Welt "Transfair" mit Sitz in Köln. Dieser legt der Zertifizierung fünf Kriterien zugrunde. Eines davon ist in Schriesheim bereits erfüllt, denn es ist die überparteiliche Steuerungsgruppe selbst. Ihr gehören BDS-Chef Rolf W. Edelmann, der städtische Wirtschaftsförderer Torsten Filsinger sowie die Stadträte Marco Ginal (SPD), Fadime Tuncer und Wolfgang Fremgen (beide Grüne) an. FDP-Stadtrat Wolfgang Renkenberger wolle auch mitmachen, so Fremgen. Neue Mitstreiter sind immer willkommen.

Ein weiteres Kriterium: Vier Geschäfte und zwei Gastronomiebetriebe müssen jeweils zwei fair gehandelte Produkte verkaufen oder ausschenken. Zudem müssen nachweislich eine Schule, ein Verein und eine Kirchengemeinde Fairtrade-Produkte verwenden, beziehungsweise das Thema im Unterricht oder in Veranstaltungen aufgreifen.

"Schriesheim hat großes Potenzial zur 'Fairtrade-Town'", sagte Tuncer. Das sah auch Fremgen so: "Wir praktizieren ja schon seit 2012 in der Verwaltung die nachhaltige Beschaffung. Jetzt wurde der Bauhof für nachhaltiges Wirtschaften zertifiziert. Das alles passt auch zu Fairem Handel." Dieser sollte selbstverständlich sein, betonte Edelmann. Er sieht im Einkaufsverhalten der Kunden, dass es das Bewusstsein dafür gibt. So seien im Jahr 2012 Fairtrade-gesiegelte Produkte im Wert von 533 Millionen Euro über deutsche Ladentische gegangen - ein Plus von 33 Prozent im Vorjahresvergleich. Auch dass fair gehandelte Waren längst in Supermarktregalen angekommen sind, sei ein Zeichen für den Bedarf, so Fremgen. Und die Preisunterschiede seien inzwischen auch nicht mehr "riesig", ergänzte Edelmann. Die Steuerungsgruppe betonte im gestrigen Pressegespräch auch den Nutzen für Handel, Gewerbe und Stadt. Das Label "Fairtrade-Town" sei nämlich auch kostenloses Stadtmarketing und gute Werbung. Sich zum Fairen Handel zu bekennen, hat ein positives Image: "So würden wir als 'Fairtrade-Town' nicht nur den Produzenten in den Entwicklungsländern helfen, sondern auch uns und unseren Geschäften", so Edelmann.